Zehn Jahre Förderung mathematischer Bildungsangebote an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Schülerprojekttage „School Meets Science“ und Mathematik-Labor des Lehrstuhls für Mathematik V Abschlussbericht für die Mapara-Stiftung.
1. Zusammenfassung

Die langjährige Unterstützung durch die Mapara Stiftung hat wesentlich dazu beigetragen, am Lehrstuhl für Mathematik V – Didaktik der Mathematik (Prof. Dr. Hans-Stefan Siller), der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU), nachhaltige Angebote an der Schnittstelle von Schule, Universität und mathematischer Bildung aufzubauen, kontinuierlich weiterzuentwickeln und für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen zugänglich zu machen. Im Zentrum stehen dabei insbesondere die Schülerprojekttage unter dem Motto „School Meets Science“ sowie das Mathematik-Labor des Lehrstuhls für Mathematik V.
Die über zehn Jahre kontinuierliche Förderung war dabei weit mehr als die Finanzierung einzelner Veranstaltungen. Sie hat Planungssicherheit geschaffen, die dauerhafte Verankerung der Angebote unterstützt und zugleich den notwendigen Spielraum eröffnet, auf neue fachliche, gesellschaftliche und technologische Entwicklungen zu reagieren. Dazu gehören in den vergangenen Jahren insbesondere Bildung für nachhaltige Entwicklung sowie der reflektierte Umgang mit Künstlicher Intelligenz im Mathematikunterricht – sowohl auf Seiten der Lehrpersonen als auch auf Seiten der Schülerinnen und Schüler.
Die Reichweite und Wirkung der geförderten Aktivitäten zeigen sich in mehreren Dimensionen: Insgesamt wurden mehr als 1.500 Schülerinnen und Schüler erreicht, mehr als 150 Projekte durchgeführt und mehr als 2.000 gedruckte Abschlussberichte erstellt. Darüber hinaus sind im Umfeld dieser Aktivitäten mehr als 50 Abschlussarbeiten entstanden. Die Angebote wurden in der Region Würzburg und weit darüber hinaus von Schulen, Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern sowie weiteren Beteiligten stark wertgeschätzt.
2. Schülerprojekttage „School Meets Science“
Die Schülerprojekttage des Instituts für Mathematik stehen für eine besondere Form der Wissenschaftsvermittlung. Mathematikinteressierte junge Menschen arbeiten über mehrere Tage in kleinen Gruppen an anspruchsvollen Fragestellungen, lernen zentrale Elemente wissenschaftlich-mathematischen Arbeitens kennen, verfassen einen Bericht und präsentieren ihre Ergebnisse abschließend vor Eltern, Lehrkräften, anderen Teilnehmenden und der interessierten Öffentlichkeit.
Im Mittelpunkt steht damit nicht das routinierte Lösen vorgegebener Schulaufgaben, sondern ein authentischer Einblick in mathematisches und wissenschaftliches Arbeiten. Die Teilnehmenden bearbeiten komplexere Probleme – beispielsweise zu algorithmischen Fragestellungen oder zur mathematischen Untersuchung von Spielen und realen Phänomenen – und werden dabei von Professorinnen und Professoren, Dozierenden sowie Studierenden begleitet. Eigenständige Projektarbeit, schriftliche Dokumentation und öffentliche Präsentation greifen ineinander und machen Mathematik als forschende, kommunikative und gesellschaftlich relevante Wissenschaft erfahrbar.


3. Das Mathematik-Labor des Lehrstuhls für Mathematik V
Ein weiterer zentraler Baustein der geförderten Arbeit ist das Mathematik-Labor des Lehrstuhls für Mathematik V an der JMU. Es schafft einen institutionell verankerten Raum, in dem mathematische Inhalte erfahrbar, experimentell zugänglich und mit Fragen des Lehrens und Lernens verbunden werden können. Damit ergänzt das Mathematik-Labor die Schülerprojekttage in besonderer Weise: Während die Projekttage intensive mehrtägige Einblicke in wissenschaftliches Arbeiten ermöglichen, bietet das Labor einen dauerhaften Rahmen für die Entwicklung, Erprobung und Reflexion mathematischer Lerngelegenheiten.
Das Mathematik-Labor verbindet schulische Praxis, universitäre Lehre und fachdidaktische Entwicklungsarbeit. Schülerinnen und Schüler können Mathematik in herausfordernden, anwendungsbezogenen und zunehmend auch digitalen Kontexten erleben. Lehramtsstudierende und Lehrpersonen erhalten zugleich die Möglichkeit, solche Lernumgebungen kennenzulernen, zu erproben und hinsichtlich ihrer didaktischen Qualität zu reflektieren. Auf diese Weise entsteht ein Ort des Austauschs zwischen Schule und Universität, an dem innovative Unterrichtsideen nicht nur konzipiert, sondern in der Praxis sichtbar und diskutierbar werden.
Die nachhaltige akademische Verankerung zeigt sich auch darin, dass im Kontext dieser Aktivitäten inzwischen mehr als 50 Abschlussarbeiten entstanden sind. Damit wirkt die Förderung nicht nur in die schulische Breite, sondern zugleich in die Qualifizierung des wissenschaftlichen und lehramtsbezogenen Nachwuchses hinein. Studierende bearbeiten Fragestellungen aus der Praxis, entwickeln und untersuchen Lernangebote und tragen dazu bei, die im Labor und in den Projekttagen gewonnenen Erfahrungen wissenschaftlich zu reflektieren und weiterzuentwickeln.
4. Zehn Jahre verlässliche Förderung und nachhaltige Entwicklung
Eine zehnjährige Förderbeziehung ist für Bildungsangebote dieser Art von besonderem Wert. Sie schafft Verlässlichkeit und ermöglicht, erfolgreiche Formate nicht nur punktuell anzubieten, sondern langfristig aufzubauen, weiterzuentwickeln und in der Region zu verankern. Gerade bei steigenden Sach-, Druck- und Durchführungskosten ist diese Kontinuität eine wesentliche Voraussetzung dafür, hochwertige Angebote für Schulen und junge Menschen aufrechtzuerhalten.
Besonders bedeutsam ist dabei, dass die Förderung nicht nur Kontinuität gesichert, sondern auch Entwicklung ermöglicht hat. Schule und Mathematikunterricht verändern sich; gesellschaftliche Herausforderungen und neue Technologien stellen neue Anforderungen an mathematische Bildung. Durch die Unterstützung der Mapara Stiftung konnten solche Entwicklungen aufgegriffen und in bestehende Angebote integriert werden, ohne deren bewährten Kern aufzugeben.
Dies betrifft zum einen Bildung für nachhaltige Entwicklung. Nachhaltigkeitsbezogene Fragestellungen eröffnen authentische Kontexte, in denen Mathematik genutzt wird, um komplexe Entwicklungen zu beschreiben, Daten zu interpretieren, Modelle zu entwickeln und begründete Entscheidungen vorzubereiten. Solche Zugänge können sowohl in Angeboten für Schülerinnen und Schüler als auch in der Aus- und Fortbildung von Lehrpersonen aufgegriffen werden.
Zum anderen gewinnt der Umgang mit Künstlicher Intelligenz im Mathematikunterricht erheblich an Bedeutung. Die Förderung hat es ermöglicht, diese Entwicklung frühzeitig aufzugreifen und sowohl die Perspektive der Lernenden als auch die der Lehrpersonen einzubeziehen. Auf Schülerseite geht es unter anderem darum, KI-gestützte Werkzeuge sinnvoll, kritisch und mathematisch reflektiert zu nutzen. Auf Lehrpersonenseite stehen Fragen der didaktisch verantwortbaren Integration, der Gestaltung neuer Lerngelegenheiten sowie der veränderten Anforderungen an Aufgaben, Lernprozesse und Leistungsbewertung im Mittelpunkt. Damit konnten die geförderten Strukturen nicht nur erhalten, sondern inhaltlich zukunftsfähig weiterentwickelt werden.

5. Reichweite und konkrete Wirkung
Die Wirkung der langjährigen Arbeit lässt sich an konkreten Größen ebenso wie an qualitativen Rückmeldungen erkennen:
- Mehr als 1.500 Schülerinnen und Schüler haben an den Angeboten teilgenommen und Mathematik in einem universitären, projektorientierten oder experimentellen Umfeld erlebt.
- Mehr als 150 Projekte wurden durchgeführt und haben ein breites Spektrum mathematischer Fragestellungen erschlossen.
- Mehr als 2.000 gedruckte Abschlussberichte dokumentieren die Arbeit der Teilnehmenden und machen die Ergebnisse dauerhaft sichtbar.
- Mehr als 50 Abschlussarbeiten sind im Kontext der Aktivitäten entstanden und belegen die enge Verbindung von schulischer Praxis, universitärer Lehre und wissenschaftlicher Nachwuchsqualifizierung.
- Das Angebot wurde von Schulen und Lehrpersonen aus der Region Würzburg sehr stark nachgefragt und wertgeschätzt; seine Ausstrahlung reicht zugleich deutlich über die Region hinaus.
Diese Zahlen zeigen, dass sich über die Jahre eine stabile Bildungsstruktur entwickelt hat. Die Förderung hat damit nicht nur einzelne Schülerinnen und Schüler erreicht, sondern zum Aufbau eines Netzwerks beigetragen, in dem Schulen, Lehrkräfte, Studierende, wissenschaftliche Mitarbeitende und Hochschullehrende zusammenwirken.
6. Langfristige Wirkung: Bildungswege und Nachwuchsförderung
Die Wirkung zeigt sich nicht nur unmittelbar in Motivation, fachlicher Vertiefung und der Erfahrung selbstständigen Arbeitens. Besonders aussagekräftig sind längerfristige Rückmeldungen. Ehemalige Teilnehmende begegnen dem Institut später als Studierende wieder; einzelne setzen ihren Weg bis in die Wissenschaft fort.
Ein anschauliches Beispiel ist Kathrin Hellmuth, die nach ihrer Teilnahme später Mathematik in Würzburg studierte und als Doktorandin im Bereich der mathematischen Strömungsmechanik am Institut forschte. Rückblickend beschreibt sie die Bedeutung der Projekttage so:
„Die interessanten und anschaulichen Projekte weckten mein Interesse, tiefer in die höhere Mathematik einzusteigen, zeigten mir deren Realitätsbezug auf und trugen schließlich zu meiner Entscheidung für ein Mathematikstudium in Würzburg bei.“
Solche Bildungswege lassen sich selbstverständlich nicht allein auf eine einzelne Veranstaltung zurückführen. Sie zeigen aber exemplarisch, welches Potenzial in langfristig verlässlichen Begegnungsräumen zwischen Schule und Universität liegt: Junge Menschen erhalten Einblicke, die über den regulären Unterricht hinausgehen, können eigene Interessen entdecken und gewinnen eine konkrete Vorstellung davon, was ein Studium oder wissenschaftliches Arbeiten in Mathematik bedeuten kann.
7. Bedeutung für die Region Würzburg und darüber hinaus
Die Angebote haben sich über viele Jahre als sichtbarer Bestandteil der mathematischen Bildungslandschaft in und um Würzburg etabliert. Die starke Resonanz von Schulen, Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern und Familien zeigt, dass die Verbindung von universitärer Expertise und schulnahen Angeboten als besonderer Mehrwert wahrgenommen wird. Dabei reicht die Nachfrage und Wahrnehmung inzwischen über die unmittelbare Region Würzburg hinaus.
Diese Wertschätzung beruht auch darauf, dass die Angebote nicht statisch geblieben sind. Sie greifen aktuelle Themen auf, verbinden fachliche Tiefe mit gesellschaftlicher Relevanz und schaffen Begegnungen mit Mathematik, die im regulären Schulalltag häufig nur schwer möglich sind. Auf diese Weise stärken sie zugleich die Sichtbarkeit der Universität als Partnerin von Schulen und die Rolle der Mathematik als Schlüsselwissenschaft für die Auseinandersetzung mit aktuellen Herausforderungen.
8. Sichtbarkeit und gesellschaftlicher Mehrwert
Die Förderung wirkt über die unmittelbaren Teilnehmergruppen hinaus. Öffentliche Abschlussveranstaltungen, gedruckte Projektberichte, das Mathematik-Labor, die Einbindung von Lehrkräften und Familien sowie die zahlreichen studentischen Abschlussarbeiten sorgen dafür, dass Ergebnisse sichtbar werden und weiterwirken. Es entsteht ein nachhaltiger Transfer zwischen Universität, Schule, Lehrkräftebildung und Öffentlichkeit.
Die Zusammenarbeit mit der Mapara Stiftung steht damit beispielhaft dafür, wie langfristige private Förderung einen regional verankerten Bildungsraum stabilisieren und zugleich Innovation ermöglichen kann. Die besondere Stärke liegt in der Verbindung von Kontinuität und Offenheit für Neues: Bewährte Strukturen können erhalten und zugleich um Themen erweitert werden, die für einen modernen Mathematikunterricht zunehmend unverzichtbar sind.

„Die besondere Qualität der Zusammenarbeit mit der Mapara Stiftung liegt in ihrer Verlässlichkeit und zugleich in dem Freiraum, den sie für Weiterentwicklung geschaffen hat. Zehn Jahre Förderung machen aus guten Einzelideen dauerhaft tragfähige Angebote. So konnten wir mehr als 1.500 junge Menschen erreichen, zugleich aber auch neue Themen wie Nachhaltigkeit und Künstliche Intelligenz in unsere Arbeit aufnehmen. Davon profitieren Schülerinnen und Schüler ebenso wie angehende und bereits im Beruf stehende Lehrpersonen.“
Prof. Dr. Hans-Stefan Siller
Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Lehrstuhl für Mathematik V / Didaktik der Mathematik
9. Rückblick und Dank: Zehn Jahre erfolgreiche Zusammenarbeit
Der Lehrstuhl für Mathematik V, insbesondere in der Person von Prof. Siller, dankt der Mapara Stiftung für die langjährige, vertrauensvolle und verlässliche Unterstützung. Die zehnjährige Kooperation hat entscheidend dazu beigetragen, etablierte Angebote trotz veränderter Rahmenbedingungen fortzuführen, ihre Reichweite auszubauen und zugleich neue fachliche und gesellschaftliche Entwicklungen aufzugreifen.
Die Förderung hat damit Strukturen unterstützt, die weit über einzelne Veranstaltungen hinausreichen: Sie verbindet Schülerförderung, universitäre Lehre, Lehrkräftebildung, wissenschaftliche Nachwuchsqualifizierung und Transfer in die Region. Gerade diese Verbindung macht die Nachhaltigkeit der Zusammenarbeit aus. Sie bestärkt uns darin, auch künftig Räume zu schaffen, in denen junge Menschen Mathematik als lebendige Wissenschaft erleben und Lehrpersonen innovative Zugänge für einen zeitgemäßen Mathematikunterricht entwickeln und erproben können.
Prof. Dr. Hans-Stefan Siller
Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Lehrstuhl für Mathematik V / Didaktik der Mathematik